Mittwoch, 24. Juli 2013

lost and found

manchmal bin ich verloren in meinem leben 
...
und dann finde ich mich wieder und nehme mich auf 
.

Dienstag, 9. Juli 2013

Denken ist Andenken. 
Aber Andenken ist anderes als die flüchtige Vergegenwärtigung von Vergangenem. 
Andenken bedenkt, was uns angeht.

martin heidegger

Mittwoch, 19. Juni 2013

Sonntag, 28. April 2013

rilke dice


Du meine Hohe, weise
mich weiter auf deiner Bahn;
komm und tu mir leise
Wunder um Wunder an.

Ich habe viel gelitten,
vieles starb und brach, -
jetzt geh ich mit blinden Schritten
deinem Leben nach.

Sehr alte Schmerzen rücken
zurück in ein Verzeihn,
mir baun sich goldne Brücken
zu deinem Gütigsein.

Freitag, 5. April 2013

in Wahrheit nämlich

steckt die Sprache nicht im Menschen, sondern der Mensch steht in der Sprache und redet aus ihr, – 
so alles Wort, so aller Geist.
Geist ist nicht im Ich, sondern zwischen Ich und Du.

M. Buber

Sonntag, 10. März 2013

zu lassen,

ist ungemein schwieriger als etwas zu tun
beim tun hat man die hoheit über das wie, das wann, auch über das warum.
von aktionen abzusehen hingegen ist nichts anderes, als sich in seinen wünschen zurückzunehmen, sich selbst zu beschneiden. 
so wird man zu einer wunde, in der man stetig stochert.
menschen zu lassen, wie sie sind, wo sie sind, 
bedeutet, 
ihre absenz – sowohl in bezug auf fehlende übereinstimmung als auch weltliche ferne – 
zu verwalten in der hoffnung, dass ruhe einkehrt und mit ihr der frieden. 
und ist das nicht bereits wieder ein hochgradiges tun? 
die folge ist abermaliges lassen.

Sonntag, 10. Februar 2013

"In der Liebe

spüre ich, wer ich bin. 
Nein, man muss es noch anders sagen: 
Ich spüre nicht, wer ich bin, sondern dass ich bin. 
Wer man ist, das erfährt man im Beruf oder an einem Abend mit Freunden."


Bodo Kirchhoff

Dienstag, 29. Januar 2013

gespiegelter traum

einst, es ist noch nicht lange her,
einst also, 
da fühlte es sich an, 
als sei alles nur ein traum –
diese neue wirklichkeit, 
die sich durch deine abwesenheit erst ergab.
und dann drehte sich das:
dass du warst,
schon vor meinem eigenen dasein,
und dann währenddessen,
ist wie eine frühlingsbrise
mitten im winter.
zart, fern, angedeutet –
eine stille, wehmütige ahnung.

Montag, 31. Dezember 2012

enden, anfänge

vaterleben geendet, 
liebe verendet, 
zeit beendet. 
und nichts, woraus anfänge erblühen könnten.

Sonntag, 2. Dezember 2012

sehnen

sehnsucht hat viele kleine finger, 
die in verschiedene richtungen zeigen, die kitzeln und auf den tisch trommeln, die herlocken und wegstossen, die an schultern tippen und die eigene schläfe, 
die fassen und fassen und fassen wollen nach etwas, das zwischen ihnen zerstiebt.

Mittwoch, 28. November 2012

haarspalterei

eben gesehen,
wie sich ein beinahe glatzköpfiger die haare aus dem gesicht kämmte -

Montag, 19. November 2012

urheberrechtlich vs. unerheblich


wenn man imitation wittert, ist das ja bereits ein gestus der überheblichkeit: nicht nur, dass man sich als nachahmungswürdig empfindet, sondern auch noch als urheber einer bestimmten sache. früher ärgerte man sich über die mädchen, die plötzlich mit denselben schuhen oder derselben hose durch die gleichen gänge schlenderten in einer selbstverständlichkeit, als wären sie die ersten gewesen. davon erholt man sich dann ja mit der zeit: man wechselt einfach die schule, die stadt, die haltung zu solchen angelegenheiten. 
heute geht es um subtilere dinge, fast schon intime: gedanken, worte, sätze. zuweilen stösst man auf äusserungen, die einen an die eigenen erinnern, man entdeckt sich im anderen - und fühlt sich geschmeichelt, verstanden, einander nah. je gehäufter die imitationen ausfallen, desto kleinlicher wird man allerdings. plötzlich hält man es für nötig, dass die eigene genialität bemerkt wird und ungeteilt bleibt, zumindest bewunderung erfährt. man wird besitzergreifend, und die vormals originellen, innersten geistigkeiten sind nur noch redundant und banal.

Sonntag, 11. November 2012

Korrigenda

‎"Längst haben wir Werbebotschaften als Wahrheit akzeptiert, echtes Leben bedeute zu viel von allem, exzessives Shoppen sei ein adäquates Hobby und Konsum von zu vielen Genussmitteln sei ein Zeichen von Freiheit. So werden Gelüste und Sehnsüchte gesellschaftlich akzeptabel und monetarisierbar." (Die Zeit)


ich muss korrigieren: 
das shoppen ist kein hobby für mich, ich vollziehe es schon fast mit beruflicher ernsthaftigkeit –

Mittwoch, 7. November 2012

metapher olten

olten: eine stadt für die durchreise, so sagt man. von olten kennt man den bahnhof, an dem man aus- und dann sofort woanders wieder einsteigt. man bleibt nicht in olten. olten ist ein bisschen grau, ein bisschen luzern und bern, klein und nett.
an der heutigen kabarettistischen stadtführung sah ich vor allem baustellen. die holzbrücke hatte kurz gebrannt, häuser wurden abgerissen, andere umgebaut, strassen abgesperrt, die weihnachtsbeleuchtung aufgehängt. es lärmte, klirrte, ein laster verursachte stau, weil er baumaterial abliefern musste. 
olten vollführte sein eigenes kabarett. die hauptprobe verlief etwas harzig, aber was will man, wenn die bühne im entstehen begriffen ist?
olten nimmt sich selbst nicht so ernst. 
und dass ich möglicherweise peter bichsel aus dem augenwinkel sah, macht olten zu einem magischen ort.

Montag, 5. November 2012

ich mich selbst

wenn man im zug sitzt und angst kriegt vor dem gegenüber, dann wähnt man sich auf der strecke zürich-bern um sieben uhr morgens. klar, dass der typ sein revier verteidigen muss, als sein sitznachbar höflich fragt, ob er die armlehne runterklappen dürfe – so ausladend hat noch nie jemand die erlaubnis dazu erteilt, und das ist ja fast schon eine kür. 
wenn man an der kasse zeuge wird, wie eine angestellte von ihrer vorgesetzten auf beleidigende weise dazu angehalten wird, bitte noch die schürze umzuhängen, nachdem sie schon darauf hingewiesen wurde, die bestellung falsch aufgenommen zu haben, dann befindet man sich bei starbucks – denn die chefin pflegt schliesslich kundennähe, indem sie die kunden für die beschriftung nach deren namen fragt.
und wenn sich zwischen diesen beiden episoden ein ganzer tag ereignet, an dem man sich am liebsten ein weilchen selbst verlassen würde, einfach, weil man sich gar nicht so viel zu sagen hat heute, ausser vielleicht "du kannst mich mal" beziehungsweise "ich mich selbst", dann ist es in ordnung, dass das tageslicht bescheiden ausfällt und die dunkelheit umso dominanter. dann ist es schön, über tote blätter zu schreiten und den zusammenstoss mit einem fahrradfahrer in letzter sekunde verhindert zu haben. bekanntlich könnte es schlimmer sein.

Sonntag, 9. September 2012

Wollen

Bei dir sein wollen
Mitten aus dem was man tut
weg sein wollen
bei dir verschwunden sein
Nichts als bei dir
näher als Hand an Hand
enger als Mund an Mund
bei dir sein wollen
In dir zärtlich zu dir sein
dich küssen von außen
und dich streicheln von innen
so und so und auch anders
Und dich einatmen wollen
immer nur einatmen wollen
tiefer tiefer
und ohne Ausatmen trinken
Aber zwischendurch Abstand suchen
um dich sehen zu können
aus ein zwei Handbreit Entfernung
und dann dich weiterküssen

Erich Fried.

Mittwoch, 8. August 2012

Hängende Philosophen

Von Problemen reden können alle. 
Den Schmerz der Wahrheit vermitteln kann nur die Phantasie. 
Selbst die Philosophen verheddern sich ja irgendeinmal 
in ihren Sprachnetzen, und da baumeln sie dann.


Peter von Matt, Die tintenblauen Eidgenossen